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Am Donnerstag, 02. August 2012 wurde bei Ausschachtungsarbeiten auf der Baustelle des Lieser-Domizil ein Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg gefunden. Der 250kg-Sprengkörper wurde an Heiligabend 1944 über Wittlich abgeworfen und versank im Schlick des Lieser-Ufers. Nach einer ersten Begutachtung der Bombe ging der Kampfmittelräumdienst von einer sehr schwierigen Entschärfung aus, da der Zünder deformiert zu sein schien. Noch am Donnerstag wurde eine erste Lagebesprechung mit allen beteiligten Behörden, Organisationen und Fachdiensten durchgeführt. Danach war klar, dass im Radius von 500m um die Bombe 2700 Menschen im Innenstadtbereich evakuiert werden müssen. Dabei handelt es sich vermutlich um die größte Evakuierungsaktion seit dem 2. Weltkrieg in Wittlich. Die Entschärfung wurde auf Sonntag, 12:00 Uhr angesetzt. Bis dahin wurde die Bombe durch Kräfte des THW, eines privaten Wachdienstes und tagsüber durch die Baufirma bewacht. Seitens der Stadtverwaltung, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten wurde die Evakuierung und zwischenzeitliche Unterbringung von bettlägerigen, kranken und hilfebedürftigen Personen organisiert. Eine der größten Aufgaben war es, die Bevölkerung über die Maßnahmen zu informieren. Dies geschah nicht nur über Zeitung und Internet sondern auch persönlich an der Haustür. Kräfte der Feuerwehr Wittlich besuchten am Freitagabend jeden Haushalt im Evakuierungsbereich, informierten die Bewohner und verteilten Handzettel. Das am Samstag eingerichtete Bürgertelefon wurde sehr rege genutzt. Es meldeten sich Bürger, welche eine Notunterkunft oder Hilfe bei der Evakuierung benötigten. Viele der Anrufer wollten wissen ob ihr Haus im Evakuierungsgebiet liegt, oder ob sie zu Hause bleiben können. Ebenfalls am Samstag wurde durch die Rettungsdienste die Notunterkunft im Atrium hergerichtet.
Der Sonntag begann für die 179 Helfer früh. Im Gerätehaus der Feuerwehr Wittlich wurde bereits um 07:00 Uhr die Einsatzleitung eingerichtet. Von dort aus wurden alle Maßnahmen koordiniert. Ebenfalls wurde dort eine Notunterkunft eingerichtet. 75 Bürger, darunter viele Familien mit Kindern nahmen diese Möglichkeit in Anspruch. Die Rettungsdienste (Malteser und Deutsches Rotes Kreuz) evakuierten insgesamt 140 Personen. Für die Versorgung der bettlägerigen Personen wurde eigens eine ganze Station im St. Elisabeth-Krankenhaus in Wittlich freigemacht. Hier wurden 32 Personen untergebracht. Im Atrium des Cusanus-Gymnasiums wurden 88 noch rüstige, ältere Menschen versorgt und betreut. Neben einem Gottesdienst mit Pfarrer Hartwig Honecker wurde durch eine Verpflegungseinheit der Malteser Mittagessen serviert. Bürgermeister Joachim Rodenkirch besuchte die evakuierten Personen in den Notunterkünften. Bei dieser Gelegenheit dankte er den Rettungsdiensten für deren Arbeit.
Die Evakuierungsmaßnahmen liefen größtenteils problemlos ab. Einige wenige Bürger weigerten sich zunächst ihr Zuhause zu verlassen. Die Polizei konnte diese jedoch recht zügig davon überzeugen den Sicherheitsbereich zu verlassen. Pünktlich um 10:00 Uhr wurde das Gebiet abgesperrt. Insgesamt 20 Straßensperren wurden durch Polizei, Feuerwehr, THW, Straßenmeisterei und Bauhof errichtet. Der Luftraum über Wittlich wurde gesperrt. Danach wurde der Bereich noch einmal abgefahren und kontrolliert. Dabei bot sich den Einsatzkräften eine teils gespenstige Ruhe. So leer war Wittlichs Innenstadt noch nie.
Um 12:00 Uhr begann die Entschärfung. Währenddessen stand ein Einsatzbereitschaft der Feuerwehr Wittlich auf dem Edeka-Parkplatz bereit um bei einem „normalen“ Notfall Hilfe leisten zu können. Das THW hielt im oberen Bereich der Gerberstraße ein Fahrzeug bereit um den Kampfmittelräumdienst bei Bedarf weiteres Werkzeug zur Verfügung zu stellen.
Die Männer des Kampfmittelräumdienstes Rheinland Pfalz, Dietmar Schmid und seine Kollegen Frank Rombach, Heiko Pargel und Jürgen Wagner entschärften die Bomben nahezu in Rekordzeit. Um exakt 12:08 Uhr klingelte in der Feuerwehreinsatzzentrale das Telefon: „Die Bombe ist entschärft“. Umgehend wurde die Evakuierung aufgehoben und die Sperrungen wieder abgebaut. Bürgermeister Joachim Rodenkirch gratulierte den Männern des Kampfmittelräumdienstes und bedankte sich für die gute Arbeit. Nach dem alle Personen aus den Notunterkünften wieder zuhause waren, endete der Einsatz auch für die letzten Hilfskräfte gegen 15:30 Uhr.
Daten und Fakten:
- Betroffene Bürger: ca. 2700
- Durch Rettungsdienste betreute Personen in den Sammelstellen: 195
- Davon bettlägerig: 32
- Sonntag insgesamt 179 Helfer: Stadtverwaltung Wittlich (5 Personen) , Feuerwehr Wittlich (50 Personen), Polizei (13 Personen), THW Wittlich (10 Personen), Malteser (43 Personen), Deutsches Rotes Kreuz (51 Personen), Straßenmeisterei (4 Personen), Bauhof Wittlich (3 Personen)
- Von Donnerstag bis Sonntag ca. 1700h ehrenamtlich geleistete Stunden (Feuerwehr, THW, DRK und Malteser) !!!
Die letzte Bombe in Wittlich wurde an Karfreitag 2011 entschärft. Die Splitterbombe wurde auf der Baustelle der Großsporthalle gefunden. Damals wurden ca. 300 Personen evakuiert. Auch diese Bombe wurde von Dietmar Schmid und seinem Team entschärft.
Eine Chronik des Einsatzes und viele weitere Bilder finden Sie hier.

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